....Man wird mit diesen Bildern und Zeichnungen nicht so schnell fertig, muß sich die Zeit nehmen, die Schichten, sowohl Farbschichten und damit auch Sinnschichten, zu durchdringen .... Nie wird geschönt, aber auch nicht zerquält. Es ist die Spanne zwischen Zweifel und Bestimmheit....

Ich folge Ihnen in Ihre Farben- und Liniengeflechte, wie ich auch gern in die wunderbaren Harmoniegewebe Bachscher Fugen eintauche.


Bernd Gork, Brief vom 9.8.95 an Horst Weber





Horst Webers Bildsprache ist expressiv. Seine innere Erregtheit formt diese Sprache. Bewegt, erregt ist er von den Problemen unserer Zeit, von Bedrohtheit, von Hektik, Vielfalt des auf uns Einstürmenden, das nur noch teilweises Erfassen ermöglicht. Er benennt diese Probleme -  aus Verantwortung, aus christlichem Ethos. Um aufmerksam zu machen, zum Miteinander zu bewegen und zum Verändern. Erforderlich ist das für viele Bereiche. Und so greift er sie in vielen Themen in seinen Zeichnungen, Lithografien, Holzschnitten, Aquarellen und Ölbildern auf. Dabei bedrängen sich in seinen Bildern die Räume, engen sie sich gegenseitig ein. Die Vielzahl der Dinge, der wir täglich, ja mit jeder Sekunde begegnen führt zu dieser Komprimierung im Bild. Er überlagert „Naturbilder“ und Abstraktionen. Beides existiert in unserem Leben, verdrängt sich gegenseitig, wird von neuen Wahrnehmungen überlagert. Wir erfassen die Dinge kaum noch vollständig. Das drängt ihn zu dieser Gestaltung, zum Übereinanderbauen im Bild. Der Rhythmus der Zeichnung unterstreicht sein Anliegen. Die im Bild abgebildeten Gegenstände sollen den Betrachter zu Assoziationen anregen. Die Farben dämpfen das Einstürmen der Dinge auf den Betrachter.

In seinen Städtebildern gestaltet er die zahlreichen Eindrücke, die sich aus Begegnungen mit Menschen, dem Erleben der Architektur und ihrer Geschichte und der Natur ergeben. Er erfaßt in ihnen ebenso wie in seinen anderen Arbeiten Schönheit, Zerstörbarkeit und Notwendigkeit des Behütens.


Dr. Fritz Löffler

>>Aus Dresdner Ateliers<<, Glockenspielpavillon, 1983







Die Landschaft bedeutet für Horst Weber stets mehr als nur die Summe empfangener Sinneseindrücke, schon gar nicht in fein ziselierter Komposition. Als Wahrheitssucher und bekennender Christ formen sich ihm die Bilder zu Metaphern für die Widersprüchlichkeit menschlicher Beziehungen und Gefährdungen der Natur in einer zerrissenen Welt.

Die Spannweite reicht von blockhafter Strenge in den Gemälden aus den 1960er Jahren zu einem Feuerwerk von Farben und Linien in den späten Bildern von Dresden oder aus den Alpen, als er endlich reisen konnte und die Wirkungsstätten und Lebensräume seiner geistigen Ahnen wie Rainer Maria Rilke, Alberto Giacometti, Nietzsche, vor allem aber Ernst Ludwig Kirchner, besuchen konnte. Die Welt der Alpen, das Majestätische wie das Zerrissene oder Zerklüftete, wurden so zu Sinnbildern der Zeit.


Dr. Hans-Ulrich Lehmann

(Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstichkabinett)







Wesentlichen Anteil an der hieroglyphischen Struktur der Zeichnungen seit den 1980er Jahren dürfte die frühzeitige Auseinandersetzung mit der Musik des 20. Jahrhunderts mit ihren dissonanten Strukturen gehabt haben. Davon zeugen die Blätter zu Hindemiths Oper “Matthis“, zu Pendereckis Auschwitz-Oratorium und zu B. A. Zimmermanns Oper “Soldaten“. Herchets Oper “Abraum“ gestaltet das Thema des Braunkohleabbaus mit dem Wegbaggern ganzer Dörfer musikalisch in aufwühlenden Tönen und harten Rhythmen. Dieser Stoff berührte Horst Weber unmittelbar. Unter den Dichtem regt ihn Paul Celan zu dem Triptychon “Todesfuge“ an. … Sie sind Ausdruck der Zeit und der eigenen Zerrissenheit. Die Verbindung zur Musik wird zu einer wesentlichen Quelle für die Mehrschichtigkeit der Gemälde und Zeichnungen - Horst Weber sprach stets von den verschiedenen “Ebenen“ seiner Werke. Aus der Musik empfing er wesentliche Anregungen zur Abstraktion. Nicht von ungefähr ist es gerade die Kunst der Fuge, die ihn immer wieder anregte, sei es in der Musik J. 5. Bachs oder dem Gedicht von Paul Celan.


Dr. Hans-Ulrich Lehmann

(Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstichkabinett)

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